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Die Arabisierung der Kabylen durch Frankreich

Date : dimanche 8 mars 2009 | Auteur : Vaz | Rubrique : Vidéos

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maj : 2009-03-09 10:51:13 | Permalien : http://kabylei.eu/spip.php?article38
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ARTE | Sendung vom 2. November 2008

die Geschichte

mein Familienname

Kamal Mezoued ist Kabyle. Er ist in Algerien geboren, lebt aber seit 15 Jahren in Frankreich. Er erzählt uns die bewegte Geschichte seines Familiennamens.

Wenn Sie meine Mutter fragen, wie ich heiße, wird sie Ihnen sagen : Kamal At-Aissa. In der Kabylei, dieser bergigen Region in Nordalgerien wo ich geboren bin, bedeutet das "Kamal, Nachfahre von Aissa". Wir Kabylen sind eines der vielen Berbervölker, die über ganz Nordafrika verteilt leben. Verwechseln Sie uns nicht mit Arabern : wir haben ein andere Herkunft und auch eine andere Sprache. Mein kabylischer Nachname ist kein arabischer Name. Ich hieß also Kamal At-Aissa. Bis zu meinem ersten Schultag. An diesem Tag wurde alles anders.

Es war 1975 und ich war 6 Jahre alt. Ich erinnere mich daran, als sei es gestern gewesen. Als ich aufgerufen wurde, sagte der Lehrer "Kamal Mezoued". Ich habe nicht reagiert. Das war ein völlig fremder Name für mich. Aber seltsamerweise war ich damit gemeint. Meine zweite Überraschung an diesem Tag bestand darin, daß auch meine Klassenkamaraden einen neuen Namen bekamen. Diese hatten eins gemein : sie begannen alle mit einem M. Anfangs hielt ich das für ein Spiel. Schließlich bekamen ja auch meine Freunde neue Namen ! Vielleicht war das so üblich in der Schule ? Die Zeit verging, aber mich ließ die Frage nicht mehr los : was bedeutete diese Namensänderung ? Warum hieß ich Kamal Mezoued ? Und was war aus Kamal At-Aissa geworden ? Ich fragte meine Mutter, doch sie war außerstande, es mir zu erklären. Wie alle anderen Dorfbewohner auch, nannte sie mich, genau, immer noch Kamal At-Aissa. Ich hatte also zwei Nachnamen ! Langsam blickte ich nicht mehr ganz durch. Zumal sich in der Schule je nach Lehrer die Aussprache meines "neuen" Nachnamens noch dazu änderte. Für die einen hieß ich Mezoud, andere nannten mich Mezouad, manche sogar Merzoud… Also, das war ziemlich verwirrend.

Mit der Zeit habe ich meinen neuen Namen akzeptiert und verteidige ihn sogar. Ich achte immer darauf, daß er richtig ausgesprochen wird : "me-zou-ed". Eines Tages erklärte mir ein alter Mann aus dem Dorf schließlich, wie es zu dieser plötzlichen Identitätsänderung kam. Im 19. Jahrhundert, als Algerien erobert wurde, eröffnete Frankreich im ganzen Land sogenannte "arabische Ämter". Diese Ämter wurden eröffnet, um den Kontakt zwischen der französischen Obrigkeit und den Einheimischen herzustellen. Die Franzosen wollten sich auf diese Weise der Bevölkerung annähern, um ihre Sprache, ihre Kultur und ihr politisches System besser verstehen – und kontrollieren zu können. Nach und nach wurden diese Ämter dann zusätzlich noch mit Verwaltungsaufgaben betreut : sie wurden zum Gericht, zum Finanzamt, zur Meldestelle… Und genau dieser Punkt ist für uns interessant. Die "arabischen Ämter" haben nämlich entscheidend dazu beigetragen, die Kabylei zu arabisieren.

Kabylisch ist wie gesagt eine Berbersprache und hat mit arabisch nichts gemein. Nun hatten die Kabylen aber die Angewohnheit, sich gegen die französischen Kolonialherren aufzulehnen, vor allem während der Aufstände 1871. Ihre "Arabisierung", praktisch der Raub ihrer Identität, sollte ihren Zusammenhalt brechen. Und so kam es, dass kabylische Ortsnamen und Nachnamen systematisch durch arabische Namen ersetzt wurden. Da wurde manchmal recht willkürlich vorgegangen, wie man an der Geschichte meines Urgroßvaters sehen kann. Dieser erschien bei der Meldestelle dummerweise mit seinem Ledertrinkbeutel - auf arabisch "mezoued". Der Beamte brauchte nicht lange, um einen arabischen Namen für meinen Urahnen zu finden… Und seitdem ist unser neuer Nachname – Mezoued – unwiderruflich in alle Melderegister eingebrannt. Außer in unserem Dorf, wo wir immer noch At-Aissa heißen.

Jetzt werden Sie sich sicher fragen, wieso denn alle meine kabylischen Klassenkameraden auch einen arabischen Namen trugen, der mit einem M begann ? Weil beschlossen worden war, das alle "arabisierten" Nachnamen eines Dorfes mit demselben Buchstaben beginnen sollten. So einfach ist das.

Text : Kamal Mezoued
Bild : Gilles Roqueplo
© ARTE.TV







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