
Menschen auf den Straßen Tehrans, die sich solidarisierten, beschwingt und glücklich waren. Die Stimmung war positiv wie lange nicht mehr, erfuhren wir aus Interviews. Wie auch die Iraner selbst, erwarteten wir den längst überfälligen Wandel des Landes, der ja auch zu erwarten war, wenn man den Berichterstattungen Glauben schenken durfte. Mit Spannung verfolgten wir die Wahl, mit Empörung und Unglauben vernahmen wir das manipulierte Ergebnis der Wahl. Mit aufrichtiger Anteilnahme denken wir an die Toten, die nun nach den ersten Protesten zu beklagen sind, wohl wissend, dass es nicht die letzten sein werden. Was treibt diese Menschen auf die Straßen ? Was treibt die Mütter, die gestern noch ihre Kinder aus Angst angefleht haben nicht zu demonstrieren, heute dazu, sie ziehen zu lassen, ja sogar zu ermutigen ? Für Deutsche wird dieses Gefühl vermutlich nie nachzuempfinden sein. Viel zu alltäglich ist uns die Demokratie geworden – selbstverständlich geradezu, was im Grunde richtig ist. Wir können uns die Abwesenheit von Demokratie nicht vorstellen. Täglich gibt es hier Demonstrationen, die niemand verbietet, jeder kann überall und immer seine Meinung kundtun, ohne Konsequenzen zu fürchten. Dieses Gut gilt es zu schützen und es wäre wünschenswert, dass dieses Menschenrecht für alle Menschen dieser Welt gelte. Wir möchten den Menschen, die heute auf den Straßen Irans ihr Leben riskieren, um für ihre Freiheit, Demokratie und ihre verlorenen Stimmen zu demonstrieren, unsere Solidarität aussprechen. Auch die Kabylen gehen unter Einsatz ihres Lebens in Algerien immer wieder auf die Straßen – für eine gerechtere Welt. Wir hoffen, dass die Lage im Iran nicht eskaliert und dass ihre Ideen von Freiheit, Gerechtigkeit, Gleichberechtigung und Demokratie schon bald Früchte tragen werden.
Ulrieke Rohde-Heckt im Namen der DKF


